Die Anreise – Das 1. Mal in Asien

Die Anreise – Das 1. Mal in Asien

Hello again,

ich fange schon an englisch zu Denken. Ich fühle gerade meine Füße am Boden und beobachte meinen Atem, um innerlich ruhig zu werden, da neben mir ein Griesche sitzt, der die Unruhe in Person ist. Die Massageausbildung hat seit gestern begonnen und es ist genau der richtige Ort. Wohne direkt bei der Schule, wo Leute aller Länder Herkunft zusammentreffen. Zuerst möchte ich Euch aber meinen Flug und den 1.Tag hier schildern.

Am 3.11. „Welt Männertag“ um ca. 8:30h saß ich bei meiner Mam in der Küche und Schorchi (Kater) war mit uns. Wir haben gefrühstückt und sind zum Hbf Heiligenstein gefahren. Ich saß im Zug und stellte fest, daß ich völlig entspannt bin. Das lag wohl an meiner Vorbereitung auf die Reise, daran daß ich ausnahmsweise auf den Zug wartete und nicht auf ökonomischer Art just in time kam und an der Freude dem kommenden Winter zu entfliehen. Als ich in Mannheim ausstieg und zu meinem Gleis gewechselt war, sah ich mich um. Da war eine Gruppe von jungen Rucksacktouristen, vielleicht Spanier oder Portugiesen, die ähnlich entspannt waren und die Menschen, die sehr in ihrem Alltag eingebunden schienen. Plötzlich fiel mir eine Frau auf, die die Sonne bewusst wahrnahm und sich entsprechend platzierte, etwa 10 Meter von mir entfernt. Als ich zu ihr hinschaute lächeln wir uns beide an. Sie schien von ihrem Herzen her zu strahlen und ich fühlte, daß wir noch in Kontakt kommen werden. Als der ICE Richtung Frankfurt eintraf, stiegen wir zusammen ein und ich brachte ihren großen Koffer in den Zug und später auch wieder heraus. Angekommen in Frankfurt strömten die Menschen aus dem Zug und verschwanden Richtung Rolltreppen. Ulli, das ist ihr Name, wie ich kurz darauf erfuhr nicht. Sie war sehr gechillt und wir führten ein Gespräch. Sie reiste schon eine Weile alleine und war auf dem Weg nach Kanada, um einen Monat später von dort nach Hause in Australien anzukommen. Im Flughafen liefen wir uns noch einmal über den Weg und sie lächelte und strahlte -hmmm.

Ich suchte den richtigen Check-In auf und machte mich auf den Weg zu meinem Gate. Mir fiel auf, daß hier immer mehr Menschen lächeln. Da ich noch genügend Zeit hatte entschied ich mich einen gemütlichen Sitz zu suchen, um dort zu lesen. Gedacht, getan las ich die Einleitung von „Die Kunst des Allein Seins“, die folgendermaßen endet:“ Gerne möchte ich Sie dazu inspirieren, die Kunst des Allein Seins zu üben, denn sie ist nach meiner Erfahrung die Voraussetzung für wirkliches Glück.“ Ich erinnerte mich an Ulli und an meinen Trip diesen Sommer alleine mit meinem Motorrad zur Insel Iž. Ich fühlte für einen Moment wirkliches Glück. Es erfüllte meinen gesamten Körper und ich begriff, wo mich diese Reise hinführen möchte -Halleluja!

                                          
Um 13:45h hob mein Flieger ab. Ich saß am Fenster und neben mir zwei türkische Brüder, die wie ich erfuhr mit einer Gruppe von insgesamt fünf Kumpels unterwegs waren. Wir erzählten uns gegenseitig aus dem Repertoire längst vergangenen Schandtaten 🙂 fantasierten über was uns erwarten wird -die beiden fliegen auch das erste Mal nach Asien- und was wir dort so alles anstellen werden, aßen, schliefen, lachten viel und landeten, ohne daß ich einmal in den Hypnosekasten vor mir schaute. Vor der Landung in Bangkok wurden Meti, links neben mir und ich unruhig -wir wollen raus!

Ausgestiegen verschwand das Unruhige nicht, sondern wandelte sich in Nervosität. Mein Verstand sorgte sich darum, ob denn mein Gepäck in den richtigen Flieger verfrachtet werden würde, wo ich denn Hinlaufen sollte, ob die Zeit reichen mag, den Anschlussflug zu bekommen und ob ich Probleme mit dem Visa bekommen würde, da ich kein Ausreiseticket nachweisen können werde, wo doch die Visabestimmungen angeblich erst verschärft wurden. Ich musste lachen während ich diesen Geisteszustand wahrnahm, fühlte mich direkt darauf aber wieder ziemlich unwohl. Ich entschied einfach der Masse zu folgen und kam nach einem Marsch an das Ende einer langen Schlange. Leute von überall aus der Welt standen da. Glücklicherweise hatte das Flughafenpersonal alles im Griff, auch wenn mir mein Denken etwas anderes klarmachen wollte. Ich wurde angesprochen, ob ich schon eingecheckt habe. Nein, also ab zum Check-In, der gottseidank in der Nähe war. Als ich zurück am Ende der Schlange stand, bekam ich einen Aufkleber angeklebt. Alles wirkte surreal. Ich begann zu begreifen, daß wir alle noch so verschieden eine offensichtliche Gemeinsamkeit hatten. Wir standen an um das Visum zu bekommen, es ging laaaaaangsam voran und bis mein Anschlussflieger abhob, waren es nur noch 40min. Das war ein sehr gutes Training für meinen Geist!
Lustiger Weise schreibe ich jetzt gerade weiter an diesem Block nach einer 2 stündigen Massage in einem sehr relaxten Zustand. Ich stand hinter einer Gruppe von Indern und das erinnerte mich daran: Wenn du Mantras im Kopf rezitierst, kann dein Geist nicht gleichzeitig denken. So kam ich problemlos durch und war 10min vor Abflug am Gate.
Um 10:00h Thailändischer Zeit landete ich in Chiang Mai, schnappte mir mein Gepäck, wechselte Geld und hielt Ausschau nach einem Tucktuck. Ich lachte wegen der Feststellung, daß mein geistiges Wirken auch hier funktionier, also unabhängig der Sprache oder sonstiger Unterschiede.
Angekommen im Resort musste ich noch 3 Stunden warten bis mein Zimmer fertig war. Müde von der Reise legte ich mich einfach unter einen Baum ins Gras und schlief.

Später weckte mich Hang. Sie stammt aus Vietnam und gab mir seltsame Knabbereien und eine Banane. Das baute mich wieder auf! Abends überwand ich meine Angst, die meinte bleib im Zimmer am besten für immer, und ging zum Lampion Festival,  das zufällig gerade war. Ist nämlich nur einmal im Jahr.

Ich lief einfach den fliegenden Lampions hinterher und kam nach ca. 3km bei einer Menschenmenge an.
Wie ein scheues Reh unter all den vielen Menschen, flüchtete ich mich unter eine Brücke und kletterte auf einen schwimmenden Bootsanleger, wo kleine Jungs mit Böllern spielten. Dort fühlte ich mich wohl.


Die Jungs erfreuten sich an mir und hatten ihren Spaß, während größere Jungs vom Ufer aus hinter mir größere Böller in den Fluss warfen, die Wellen auslösten. Ich schaute dem Spektakel eine Weile zu bis sich einer der Kleinen neben mich setzte und mich einfach in den Arm nahm. Ab dann ging’s Berg uff! Ich ging auf die Brücke und hatte Spaß unter und mit den Menschen. Beobachtete wie hunderte von Minibooten mit Blüten und Räucherstäbchen im Fluss trieben und die Touristen wie auch Einheimische einen Lampion nach dem nächsten anzündeten.

                 
Dabei böllerte es und eine Trommelgruppe spielte dazu ihre Rhythmen. Die Lampions blieben zum Teil in der Lichterkette über der Brücke hängen, um als Brandbombe zwischen die Menschen zu fallen, oder in den Bäumen, wo sie munter vor sich hin brannten, was wegen der Feuchtigkeit wohl keinen größeren Brand auslösen konnte. Also wurde jeder Lampion der es in den Himmel schaffte gefeiert.


Das war eine super geile Party! Als ich mit einem Tucktuck zurück ins Resort gefahren bin und Unterwegs noch in einem Seven-Eleven das nötigste besorgte, fühlte ich, daß ich angekommen war.


6 Gedanken zu „Die Anreise – Das 1. Mal in Asien

  1. Hey! Ich wünsche dir viele magische Begegnungen & unvergessliche Abenteuer! Du kannst mit Worten Bilder malen, so dass man beim Lesen das Gefühl bekommt, dabei zu sein. Ich freu mich für dich und bin gespannt, was du weiterhin berichtest ☺️
    Danke, dass du uns teilhaben lässt!
    Big hug 🙋🏻

  2. Spannend, luschtisch und abenteuerlich 🤗
    Seltsame Knabbereien, lächelnde Fremde, laaaange Warteschlangen…. fehlendes Rückreiseticket ist immer cool 🤣
    Am besten gefällt mir der kleine Junge, der sich einfach neben Dich setzt und Dich umarmt. Herzerwärmend 😊
    Weiter so: Rock the House😎
    Fühl Dich gedrückt🤗

    1. Danke Lea, der Junge war auch das Beste was mir das Universum schicken konnte. Hat ganz viel Vertrauen und ein Sicherheitsgefühl in mir aktiviert, das mich immer noch trägt.

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